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Joachim Bartholomae, seit Jahren engagiert in Sachen schwuler Literatur, hat eine Anthologie neuerer deutschsprachiger Autoren herausgegeben. Der Band ist Detlev Meyer gewidmet, dem letztes Jahr verstorbenen Star der schwulen Literaturszene. Von ihm stammt der erste Text, in dem Erotik und Ritual auf subtile Weise zusammengeführt werden. Er zeigt, welch grosser Verlust der frühe Tod Meyers ist. Das Buch lässt nach diesem fulminanten Auftakt aber stark nach. Seichte Liebesliteratur, wie sie besser in jedem Heftchenroman am Kiosk zu finden ist (von Elvira Klöppelschuh oder Lutz Böge), wechselt ab mit Versuchen, die neue schwule Literatur Amerikas zu kopieren, indem Blut- und Gewaltfantasien beschworen werden (Michael Sollorz und Klaus Mattes). Berlin ist leider nicht New York, und viele Texte bleiben im Provinziellen verhaftet, was auf Dauer etwas unbeholfen wirkt. Es gibt aber auch Erfreuliches: Besonders die bereits arrivierten Autoren können einmal mehr überzeugen. Allen voran Thomas Böhme, der mit einer Serie von lyrischen Kurztexten vertreten ist, die bis in die feinsten Verästelungen einer sehr zerbrechlichen Liebe vordringen. Seine poetische Bildkraft lässt uns erahnen, wie zärtlich Liebe sein kann. Ebenfalls ein Lichtblick ist Mario Wirz, vertreten mit einer Kurzgeschichte, die einen spannenden und hoffnungsvollen Blick in die Zukunft der schwulen Szene wirft, in eine Zeit, in der Aids behandelbar sein wird und die Autoren in Reichtum leben. Um alle Anspielungen dieses Textes zu verstehen, muss man allerdings in der deutschen Szene bewandert sein. Bartholomae hat für die Anthologie die Autoren nur in Deutschland gesucht. Andere deutschsprachige Schriftsteller werden übergangen. Texte des Schweizers Thomas Geiser oder des Österreichers Jonigk wären eine Bereicherung gewesen. So lässt sich das Fazit ziehen, dass zwar endlich wieder eine aktuelle schwule Anthologie vorliegt, die allerdings unter Qualitätsunterschieden leidet, welche es uns nicht leicht machen, allzuviel Hoffnung auf die jüngste Generation schwuler Schriftsteller zu setzen. Vielleicht hätte der Herausgeber nicht versuchen sollen, in erster Linie seine Hausautoren zu pushen.
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