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Gegen den Theologen Heinrich von Rheinfelden wird 1416 eine Untersuchung durchgeführt, weil er sich gerne den jungen Knechten und Gesellen in der Backstube nähert, sie betastet, ihnen "den Schwanz herauszieht" oder sie unter Vorwänden dazu zu überredet, die Nacht mit ihm zu verbringen. Gegen Kaplan Johannes Stocker wird Ende des 15. Jahrhunderts ermittelt, weil er den Chorknaben Johannes Müller brutal vergewaltigt hat. Diese beiden dokumentierten Fälle homosexuellen Missbrauchs durch Kleriker im mittelalterlichen Basel werden in diesem Band erstmals allgemein zugänglich gemacht: eine Entdeckung für HistorikerInnen, ein Lehrstück für alle, die Interesse an Kultur- und Sexualgeschichte haben. Die Klagen über das "äusserst infame und überaus schändliche Fehlverhalten der Priester" setzen schon in der Mitte des 11. Jahrhunderts ein. Petrus Damiani, der asketische Abt und Reformkardinal, behauptete 1049 in dem sogenannten "Liber Gomorrhianus", dass sich "der Krebs der sodomitischen Unreinheit in unseren Gegenden" so stark verbreitet habe, dass sofortige Gegenmassnahmen eingeleitet werden müssten. Und auch knapp 1000 Jahre später ist die Kirche mit dem Problem konfrontiert: Neun Jahre lang leitete Kardinal Hans Hermann Groër (1919-2003) die Erzdiözese Wien (1986 -1995), bevor er wegen sexuellen Missbrauchs seiner Ämter enthoben wurde. Am Beispiel der beiden dokumentierten Fälle arbeitet der Historiker Bernd-Ulrich Hergemöller in seinem einleitenden Essay Muster und Besonderheiten derartiger Fälle heraus. Neben der kirchengeschichtlichen Bedeutung eröffnet das Buch Erkenntnisse über das Sittenleben der römisch-katholischen Kirche, über homosexuelle "Alltagswirklichkeit" im 15. Jahrhundert und auch darüber, wie hochstehende Kleriker und die Knaben aus dem "niederen Volk" miteinander kommuniziert haben. Auf den Essay folgen die Abschriften der teils in mittellateinischer und teils frühneuhochdeutsch-oberdeutscher Sprache erhaltenen Dokumente aus Schweizer Archiven und ihre Übersetzung ins Deutsche sowie ein Personenregister.
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