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Schwul-lesbische Zweisamkeit im Elchtest - oder verzwickte Beziehungsgeschichten aus Norwegen, das bringt uns diese Anthologie: Dass Männer und Frauen nicht zusammen passen, ist von Wissenschaft und Literatur hinreichend dokumentiert. Nachdem sich die Euphorie der Emanzipation von Schwulen und Lesben gelegt hat, stellt sich heraus, dass auch Mann und Mann und Frau und Frau ihre liebe Not miteinander haben, und zwar in allen drei Phasen einer Liebesbeziehung: vorher, während der Beziehung und danach. Es sind also vor allem Missverständnisse und kleine Missgeschicke, die von den Helden und Heldinnen dieser 13 Geschichten erlitten und bewältigt werden müssen, und bekanntlich verfügt das Pech anderer Menschen über einen beträchtlichen Unterhaltungswert, wenn es dem Publikum genüsslich serviert wird. Die meisten Autoren und Autorinnen sind beim schwulen Publikum bereits bestens eingeführt, mehrere schreiben auch Jugendbücher, ein Indiz für erzählerisches Talent.
Ein Feingeist verlässt einmal im Jahr die Zivilisation, um allein in den Bergen zu wandern. Zu seinem Schrecken taucht ein zweiter Wanderer in seiner Hütte auf, dessen bodenständige Männlichkeit ihn fasziniert und verängstigt. Im Unterschied zum Stadtmenschen ist der "schöne Wilde" jederzeit in der Lage, ganz selbstverständlich das Richtige zu tun - und so wird der Held nicht abgestochen, wie er befürchtet, sondern erlebt eine grossartige Verführung ohne viel Gerede. "Alles klar" von Odd Klippenvåg
Bei Simon lässt die Pubertät auf sich warten. Während die andern Jungs schon überall Haare bekommen, tut sich bei ihm noch gar nichts. Heimlich himmelt er den schönen Lingen an, und bei der Konfirmation stehen ausgerechnet diese beiden nebeneinander. Es ist dann auch weniger die Hostie als der "Leib Lingens", der Simon in spirituelle Verzückung versetzt, und als er aus der Ohnmacht erwacht, sieht er Lingens Gesicht über sich. "Der Leib Lingens" von Gudmund Vindland - Autor von "Der Irrläufer" und "Sternschnuppen"
Weihnachten, eine schlimme Zeit für Singles. Ein Mann sitzt allein zu Haus und lässt Erinnerungen an seine große Liebe Revue passieren. Der Leser begreift allmählich, dass dieser wunderbare Liebhaber den armen Kerl nach Strich und Faden ausgenutzt hat, aber der begreift es noch immer nicht. "Ein echtes Mannsbild" von Ulf Nestvold
Anne und Anne, Gerd Brantenbergs berühmtes Lesbenpaar, leben seit Jahren fern der Kneipenszene in einer Satellitenstadt. Wenn eine von beiden ausgehen will, vermutet die andere sofort den geplanten Seitensprung; also gehen sie endlich gemeinsam in die Disco. Dort treffen sie ein anderes Paar, und ohne viel Federlesens gehen zwei Beziehungen in die Brüche, zwei neue werden gegründet - und alle sind sehr zufrieden. "Anne und Anne besuchen einen Frauenabend" von Gerd Brantenberg - Autorin der "Töchter Egalias" und weiterer klassischer Lesbenromane
Das "Durchhecheln" verflossener Liebschaften kann grausam sein: Auf einem Fest wird genüsslich erzählt, wie eine bildschöne Frau in der Disco ausgerechnet bei einer dicken Postbotin aus der Provinz landete, was von allen wortreich bedauert wird. Leider sitzt die Postbotin mit am Tisch. "Abendfüllend" von Beate Nossum
Lesben im Heterochaos: auf einer Hochzeit geht so gut wie alles schief, was nur möglich ist, der Oberkellner fällt von einer Ohnmacht in die nächste, nur die Serviererinnen sind nicht zu beeindrucken und verlassen als das eigentlich glückliche Paar die Szene. "Hochzeit" von Petra von der Fehr
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