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"Willi, meinem ersten Freund, verdanke ich bis heute, dass ich meine Liebesgefühle als etwas Schönes erleben kann. Es hat mich getragen und gestärkt in all den Jahren, in denen ich über den Grund meiner NS-Haft mit niemandem reden konnte
" (Stefan K., Warschau) In "Einsam war ich nie" vereint Lutz van Dijk die Porträts von elf schwulen Männern, die über ihr Leben, Lieben und Leiden während der Nazi-Diktatur berichten, aber auch von der fortdauernden Kriminalisierung und Diskriminierung im Nachkriegsdeutschland. Diese einfachen Berichte wecken beim Lesen starke Emotionen: Genau gleich könnte es auch uns ergangen sein, hätten wir in dieser Zeit gelebt. Sie geben viel deutlicher als alle historischen Berichte und die Zahlen über die Toten des zweiten Weltkrieges wider, was die Nazi-Diktatur angerichtet hat. Dass die überlebenden Homosexuellen nach dem Krieg in Deutschland weiterhin stigmatisiert und mit den Nazigesetzen verfolgt wurden, ist besonders traurig. Vielleicht öffnen diese Schicksale einigen Menschen heute die Augen, was passiert, wenn Minderheiten verfolgt werden. Es braucht auch heute unseren Einsatz, damit so etwas nie wieder geschehen kann! Vor zehn Jahren dokumentierte Lutz van Dijk erstmals die Lebensberichte der elf Männer. Für den vorliegenden Band hat er diese Porträts zusammen mit dem Soziologen und Sexualwissenschaftler Günter Grau aktualisiert. Ein Forschungsüberblick und Informationen zur rechtlichen Stellung der homosexuellen Opfer des Nazi-Regimes sowie zur bis heute verweigerten Entschädigung ordnen die individuellen Zeugnisse in ihren historischen wie in den heutigen gesellschaftlichen Zusammenhang ein. Einer der Berichte zeigt übrigens auch eine Verbindung zur Schweiz: Die Gedichte des Panzersoldaten Erich Lifkas erschienen in den fünfzigerJahren in der Schweizer Zeitschrift "Der Kreis".
Lutz van Dijk, Dr. phil., geboren in Berlin, 1992-99 Mitarbeiter der Anne-Frank-Stiftung in Amsterdam. Seine Bücher wurden in viele Sprachen übersetzt und mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Gustav-Heinemann-Friedenspreis 2001. Lebt und arbeitet heute in Amsterdam und Kapstadt.
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