|
Auf gewisse Weise ist es beeindruckend, mit welchem Selbstbewusstsein zwei amerikanische Schriftsteller im Rahmen einer essayistisch-literarischen Reiseführer-Reihe mit unverkennbar schwulem Blick und Gespür ihre Aufgabe erledigen: Edmund White, der lange Jahre als Korrespondent in Paris lebte, nutzt in "Gebrauchsanweisung für Paris" einen Spaziergang durchs Marais für einen Exkurs zur homosexuellen Sittengeschichte der Stadt. David Leavitt ("Die verlorene Sprache der Kräne"), der bereits seit vielen Jahren mit seinem Lebensgefährten Mark Mitchell Florenz zum Hauptwohnsitz gemacht hat, geht noch ein Stück weiter. Fast ein Drittel seines sehr autobiografischen, mit kunst-, kultur- und literaturgeschichtlichen Details gesättigten Stadtporträts ist der besonderen Bedeutung von Florenz als jahrhundertelanger Fluchtpunkt europäischer Homosexueller gewidmet. Und so plaudert Leavitt von Klatsch und Skandalen der letzten 400 Jahre von Alfred Johann Joachim Winckelmann, Lord Arthur Acton, Edith Sitwell, Oscar Wilde und Henry James. Beide Bücher, das von Leavitt wie auch das von White, sind unverhohlen subjektiv und zugleich überaus fundiert, informativ und unterhaltsam. Das macht sie auch dann lesenswert, wenn man sich nicht gerade auf die nächste Reise vorbereitet.
|