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Am 2. August 1902 wird der Priester und Publizist Heinrich Federer (1866-1928) in der Talstation der Stanserhornbahn in Nidwalden festgenommen. Es besteht Verdacht auf "widernatürliche Befriedigung des Geschlechtstriebes, begangen an einem zwölfjährigen Knaben". Federers Leben ändert sich schlagartig. Nach der Entlassung aus der Untersuchungshaft werden ihm Wohnung und Anstellung fristlos gekündigt. Es folgen Lebensjahre in bedrückenden moralischen und materiellen Verhältnissen, bis Federer mit der Novelle "Vater und Sohn im Examen" der literarische Durchbruch gelingt und er zu einem der bedeutendsten katholischen Erzähler seiner Generation wird. Es sind wahre Geschichten um Literatur, Knabenliebe und Katholizismus, wie sie so niemand hätte erfinden können. Biograf Pirmin Meier, der sich zuletzt den beiden historischen schwulen Figuren, dem Langenthaler Anwalt Franz Desgouttes (1785-1817) und dem Glarner Hutmacher und Modisten Heinrich Hössli (1784-1864) angenommen hatte, porträtiert nun Heinrich Federer. Die Knabenliebe versteckte er in seinem Werk und nahm damit katholischerseits Thomas Mann vorweg. Das Buch beschränkt sich nicht auf Federers Biographie, sondern berichtet auch, wie eine Dissertation 1931 eingestampft werden musste, weil Federer darin als "homosexuell" bezeichnet wurde, und dass "Kreis"-Gründer Karl Meier ("Rolf") 1966 einen Leitartikel zum 100. Geburtstag von Federer schrieb, der allerdings nicht zur Kenntnis genommen wurde. "Der Kreis", Nico Kaufmann, Eduard Korrodi und weitere Zusammenhänge mit der Schweizer Schwulengeschichte kommen in Meiers neuem Buch ebenfalls zur Sprache.
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