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Sie sind kreativ und schöpferisch, haben Geschmack und Esprit, und sie sind den schönen Dingen des Lebens und den Künsten zugewandt. Wenn heutzutage positiv über Schwule gesprochen wird, dann fallen meist unweigerlich diese Klischees, und am Horizont der Vorzeige-Homos leuchten Vorbilder und Jahrhundertgestalten wie Michelangelo, Andy Warhol, Thomas Mann oder Yves Saint Laurent. Der Berliner Autor Eric Walz versucht sich nun ein wenig bemüht als Nestbeschmutzer und präsentiert einen etwas anderen Kanon männerliebender Prominenter: «Schwule Schurken» betitelt er salopp und ein wenig provokant sein Buch mit elf ausführlichen Porträts höchst unterschiedlicher Persönlichkeiten. Der machtbesessene Papst Sixtus IV., der zur Finanzierung seines dekadenten Lebens den Ab-lasshandel wie auch die Inquisition erfand, findet sich hier in Gesellschaft mit Militaristen wie Friedrich dem Grossen, mit einem Serienkiller und einem Vaterlandsverräter. Der SA-Führer Ernst Röhm und der 1991 verstorbene Neonazi Michael Kühnen gesellen sich zu blutrünstigen Revolutionären und machtbesessenen Eroberern wie Alexander dem Grossen. Was sie verbindet, ist ihrer Rücksichtslosigkeit. Vielleicht, weil ihre erotische Neigung sie von der Gesellschaft ausschloss und ohnehin zu Aussenseitern machte und ihnen so die Einbindung in ein geordnetes Leben fehlte, konnten sie in der Wahl ihrer Mittel und ihrer Zielsetzungen derart exzessiv vorgehen, mutmasst Walz. "Sie waren nicht besser oder nicht schlechter als ihre nichtschwulen Kumpane, aber im Gegensatz zu ihnen wurde ihre erotische Neigung totgeschwiegen", schreibt Eric Walz zur Erläuterung seiner Auswahl im Vorwort. Da mag man schon etwas widersprechen. Als 1991 der amerikanische Sexualmörder Jeffrey Dahmer entlarvt worden war, der sechzehn Männer auf bestialische Weise zerstückelt hatte, wurde dessen Homosexualität direkt mit dem Tatmotiv verknüpft und lieferte ein gefundenes Fressen nicht nur für die Boulevardpresse. Und dass Oberst Alfred Redl der Armee des kaiserlich-königlichen Österreich-Ungarn den Russen über Jahre militärische Informationen verkaufte, um seinen luxuriösen Lebenswandel und vor allem seinen Geliebten finanzieren zu können, war nicht nur einst für Egon Erwin Kisch wie auch später für Istvan Szábos und andere Verfilmungen ein höchst pikantes Detail. Gleichwohl, so detailliert und schlüssig in der Verknüpfung von politischer Brisanz und privaten sexuellen Details hat man dies bisher selten gelesen. Eine wirkliche Überraschung hingegen dürfte für viele das Porträt Maximilien Robespierres darstellen. Der Kopf der Französischen Revolution, der unter anderem dafür sorgte, dass die Guillotine rund um die Uhr im Einsatz war, hatte offenkundig ein erotisches Verhältnis mit einem anderen, nicht ganz unbekannten Revolutionär: dem jüngeren Antoine Saint-Just. Zusammen waren sie ein tödliches Gespann, das zuletzt selbst ein Ende auf dem Schafott fand. Was Eric Walz Porträts auszeichnet, ist die Detailfülle, gerade in den scheinbar banalen Nebensächlichkeiten, sowie die Lebendigkeit, mit der er seine Geschichten erzählt. Etwa, wenn er die Orgien und Feste des Kaisers Heligoabals (204-222) schildert, der sich - in seinem Grössenwahn und seiner ins Perverse gesteigerten Unterhaltungssucht - Storchenköpfe und Flamingozungen servieren, für eine sommerliche Schneeballschlacht Schnee aus den Hochalpen ankarren oder zur allgemeinen Belustigung nackte Frauen vor die Wagen spannen liess. Nebenbei erfährt man, dass Heligabal die wohl erste Homoehe der Menschheitsgeschichte eingegangen ist: Er liess sich mit einer pompösen Zeremonie mit seinem Geliebten, dem Gladiator Aurelius Zoticus (dem wir heute das Wort Zote verdanken), vermählen.
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