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Für den aus Hannover stammenden Amtsassessor Karl Heinrich Ulrichs (1825-1895) war die "mannmännliche Liebe" oder der "Uranismus", wie er Homosexualität damals in Anlehnung an den Griechengott Uranus nannte, noch ein "Räthsel". Dagegen wollte er aufklärerisch wirken. Ulrichs gilt als einer der ersten Kämpfer für die schwule Sache. Ganz der Erste war er allerdings nicht. Vorbilder hatte er auch in der Schweiz, im Glarner Hutmacher Heinrich Hössli, über den Schriftsteller Primin Meier eben ein Buch veröffentlicht hat. Während Pirmin Meier historische Fakten mit eigener Fantasie anreichert und dabei auch über echte biografische Daten Ulrichs' stolpert, stützt sich Hubert Kennedy in seiner Biografie über Karl Heinrich Ulrichs ganz auf Fakten. Diese sind spannend genug und zeigen das Leben eines engagierten Juristen, der versucht, seine Berufskollegen davon zu überzeugen, dass Schwule zu Unrecht bestraft werden. Er publizierte ein Dutzend Aufklärungsschriften und hatte damit eine breite Ausstrahlung. Ulrichs Engagement aber führte damals noch zur völligen Ausgrenzung. Er musste schliesslich nach Italien flüchten, wo er ein bescheidenes Dasein fristete und sich fast nur noch als Sprachforscher betätigte. Hubert Kennedy hat seine bereits vor zehn Jahren zum ersten Mal in Deutsch erschienene Biografie inzwischen mit vielen zusätzlich erschlossenen Quellen zu einem umfangreichen Band erweitert.
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