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Wer schon einmal Prosa von Michael Sollorz gelesen hat, wird diesen ganz speziellen Sound auch in seinem neuen Buch sofort wiedererkennen. Gleich mit dem ersten Satz zieht er die Leser mitten hinein ins Geschehen. Nur wenige Andeutungen genügen, und Michael Sollorz hat seine Figuren charakterisiert nicht als Klischees, sondern als fein gezeichnete Persönlichkeiten, deren Erfahrungen jedoch immer auch all-gemein gültige schwule Erfahrungen und Lebenswelten beschreiben. Der Sollorz-Sound, das ist diese merkwürdige und zugleich faszinierende Mischung aus Stimmungen. Seine Figuren sind immer unterwegs, suchen nach dem Glück oder verlieren es gerade. Und selbst wenn sie es gerade gepackt zu haben scheinen, mitten in der Ekstase beim Sex oder frisch verliebt: Immer mischt sich in diese lichten Momente ein Schatten von Melancholie und von Verlassensein. Wie schon in seinem Roman "Orakel", experimentiert Michael Sollorz erneut mit der Konstruktion des Reigens. In jedem Kapitel gibt es wechselnde Hauptfiguren, die später wieder am Rande auftauchen, bis am Ende alle Schicksale auf fast mystische Weise verknüpft sind. Das Erstaunliche an Michael Sollorz, und was ihn letztlich für die deutsche Schwulenliteratur so einzigartig und unverzichtbar macht, ist nicht nur sein Talent für treffende Porträts. Kaum ein anderer schafft es so wie er, über schwulen Sex zu schreiben und zugleich die ganzen Gefühle samt ihrer emotionalen Strudel, das zumeist Unausgesprochene zwischen den Partnern ganz beiläufig, aber prägnant mit zu schildern. Zugleich aber sind seine Geschichten eine kritische Auseinandersetzung mit den grossstädtischen Lebenswelten wie etwa den Anmachritualen und der gespielten Coolness in der Szene. Sollorz schaut unter die glatt polierte Oberfläche des genormten Gay-Mainstreams und findet dort seine traurigen Helden - Menschen wie du und ich. Ergänzt und kommentiert wird der Text mit Fotos des Berliners Martin E. Kautter.
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