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Es wurde Zeit: Jetzt liegt ein biographisches Lexikon zur Geschichte von Freundesliebe und Homosexualität vor, das dem deutschen Sprachraum gerecht wird. Dabei schlägt Bernd-Ulrich Hergemöller, Herausgeber und Geschichtsprofessor an der Universität Hamburg, einen Bogen vom Mittelalter über das Bismarckreich bis in unser Jahrzehnt. Auf rund 700 Seiten präsentiert er über 1000 Männer im rosa Licht fast alles, was es im deutschen Sprachraum je an bunten Vögeln gab. Man denke nebst zahlreichen Schweizern etwa an den deutschen Juden Süsskind Blank (17991853), der die Kunst des Nähens und des Stickens so beherrschte, dass er dadurch zu Wohlstand kam und es sich leisten konnte, junge Männer in "seiner phantastisch und gleich dem Boudoir einer eleganten Dirne eingerichteten Wohnung" zu beherbergen. Blank selbst verwandelte sich allmählich in "Friederike" und ersuchte die Behörden um die Anerkennung seines neuen Namens, ausserdem gab er seine Verlobung mit einem Handwerker bekannt. Nach langer strafrechtlicher Verfolgung wählte er schliesslich den Freitod. Bezüglich der zwischenmenschlichen Beziehungen von Ludwig II, Rathenau, Kant, Hölderlin, Beethoven oder Schubert erfährt der Leser, was ihm heterosexuelle Biographen gerne vorenthalten. Dieses (leider nicht bebilderte) Lexikon zeigt, dass die Einteilung in Homo-, Hetero- und Bisexualität nicht so richtig funktioniert und die Grenzen innerhalb eines Lebens fliessender sind, als so mancher gemeinhin annimmt. Eine wahre Fundgrube bei der Suche nach neuen Kultfiguren! Jetzt gibts dieses riesige Werk als handliche, aber immer noch dicke Taschenbuchausgabe!
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